Schnee
Schnee und Schneelast - Probleme
1. Statische Betrachtung
Schnee hat ein oft unterschätzes Gewicht (genauer: Dichte). Wer Schnee schippen muß, weiß, was gemeint ist. Hier einmal geschätzte Zahlen (Quelle):
Art des Schnees: Dichte in kg/cbm;
trockener Pulverschnee: 30 bis 50
normaler Neuschnee: 50 bis 100
feuchter Neuschnee: 100 bis 200
trockener Altschnee: 200 bis 400
feuchter Altschnee: 300 bis 500
Firn: 500 bis 800
Das heißt also, normaler Neuschnee wiegt bei 10 cm Höhe schon zwischen 5 und 10 kg auf einem Quadratmeter. Das ist noch nicht tragisch. Dächer werden in Deutschland für eine Schneelast von 75 kg/qm bis zu 550 kg/qm berechnet. Je nach Lage und Höhe. Üblich sind Bemessungslasten zwischen 75 kg/qm und 120 kg/qm.
Nun kann aber Firn schon 80 kg/qm bei nur 10 cm Höhe wiegen. Damit wäre die geringste Bemessungslast schon überschritten.
Nehmen wir als Beispiel Remscheid. Hier lagen 50 cm Schnee auf den Dächern. Wir haben dann einfach mittels Gefäß und Waage nachgemessen: es ergab sich eine Dichte von 25 kg/qm (bezogen auf 10 cm Höhe). Bei einer Bemessungslast von 100 kg/qm durfte der Schnee also max. 40 cm hoch liegen. (Als es weiter schneite, begann das Schaufeln)
Dachlawinen:
Diese Gefahr sollte nicht unterschätzt werden. Da von unten Wärme auch durch noch so gute gedämmte Dächer dringt, schmilzt der Schnee an der Unterseite zuerst. Dadurch bildet sich eine Gleitschicht (ähnlich funktionieren Lawinen). Damit rutsch die gesamte Masse auf einmal ab. Das kann sehr gefährlich sein. Auch Schneefanggitter sind da nicht die ultimative Lösung. Hausbesitzer sollten sich da über die Rechtslage kundig machen.
2. Bauphysik
Schnee führt oft gar nicht zu einem Problem, sondern macht es nur deutlich bzw. deckt es auf. Da Schnee eine geschlossene Schicht aus Wasser bildet, stellt dies eine absolut dichte Dampfsperre dar. Das heißt, eingeschlossenes Wasser in einer Konstruktion kann nicht nach außen verdunsten. Dies macht sich zum Beispiel durch scheinbar plötzlich auftretenden Schimmel bemerkbar.
3. Dach- und Abdichtungstechnik
Schnee hat die unangenehme Eigenschaft nicht abzufließen. Dadurch kommt es zu Rückstaus, die es mit flüssigem Wasser nicht geben würde. Solange es kalt genug ist, macht sich das selten bemerkbar. Sobald es jedoch taut, dringt das Tauwasser an Stellen ein, die es normalerweise gar nicht erreicht: Das Wasser "fließt bergauf".
So sind zum Beispiel im Dachdeckerhandwerk Anschlußhöhen von 15 cm vorgeschrieben. Hält sich der Schnee nicht an die vorgegeben Höhe, nutzt diese Anschlußhöhe auch nichts: Wasser dringt ein. Das sind zum Beispiel Traufanschlüsse im Steildach, Wandanschlüsse etc. Die bekannten Drainrinnen vor Terrassentüren nützen in diesem Falle auch nur dann etwas, wenn sie entweder regelmäßig gereinigt oder aber beheizt werden.
Oft wird eindringendes Wasser aus obigen Gründen als Mangel angesehen. Manchmal ist es das auch, manchmal aber eben auch nicht. Falls Sie betroffen sind, bitte vorher vom Fachmann beraten lassen.
Sollten Sie weitere Fragen zu der Problematik haben, rufen Sie uns an:
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