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Volker Korfmann-Bau-Sachverständigenbüro

Atmende Wände

Atmende Wände

Der hartnäckige Irrtum

Es ist immer wieder von atmenden Wände die Rede. In Foren, gerade in Bauforen, raten selbsternannte Experten immer mal wieder davon ab, eine Wand zu dämmen oder mit bestimmten Farben zu streichen, weil die Wand dann nicht mehr "atmen" kann. Haben Sie schon einmal eine erstickte Wand gesehen? Oder eine Wand, die schnarcht? Vermutlich nicht. Selbstverständlich "atmen" Wände nicht, egal aus welchem Material sie sind. Ob aus Mauerwerk, Beton, Holz, Metall oder Dämmstoff: keine Wand "atmet". Hier werden zwei Dinge durcheinandergeworfen:

1. Feuchteausgleich

Dies geschieht weniger durch die Wand als durch den aufgebrachten Putz. Feuchtespitzen, wie sie zum Beispiel in Bad und Küche häufig vorkommen, werden vom Putz "abgefangen". Dieser nimmt die Luftfeuchte in Form von Wasser auf und gibt sie allmählich dann auch wieder ab. Mit atmen hat das nicht zu tun. Das ist eine Frage der Wasseraufnahmefähigkeit des Materials. Diese variiert mit der Art des Putzes. So nimmt Gipsputz deutlich mehr Feuchte auf als Zementputz. Dafür ist Gips aber auch wesentlich empfindlicher gegen dauerhaft zu hohe Feuchte. Aus diesem Grunde gibt es ja auch spezielle Gipskartonplatten für Feuchträume.

2. Diffusion

Dieser Vorgang des Konzentrationsausgleiches (hier der Luftfeuchtigkeit) findet extrem langsam statt. Geatmet wird hier dennoch nicht. Vielmehr handelt es sich um einen mehr oder weniger konstanten, sehr geringen, Strom von Wassermolekülen. Im Winter von innen nach außen, im Sommer umgekehrt oder gar nicht. Dennoch besteht in diesem Zusammenhang sehr wohl eine Gefahr in Zusammenhang mit Innendämmungen. Das hat nur mit "atmen" nicht das geringste zu tun. Vielmehr wird der sogenannte Taupunkt weiter nach innen verlegt. Der Vorteil der wärmeren Oberflächentemperatur wird damit die Gefahr gegenübergestellt, zwischen Dämmung und Wand/Decke Schimmel zu züchten. Die Wand hinter der Dämmung ist ja immer noch kalt bzw. sogar noch kälter, da sie ja gegen die Zimmerwärme gedämmt wurde. An der Dämmung selbst fällt kein Kondensat aus, da diese ja warm ist. Die Luft gelangt aber dennoch, und sei es durch langsame Diffusion, an die kalte Öberfläche und kondensiert dann eben dort. Nur eben unsichtbar. Das wiederum interessiert den Schimmel wenig. Daher sollte vor einer solchen Maßnahme vorher bauphysikalisch nachgerechnet werden, ob Probleme auftauchen können. Falls das nötige Basiswissen vorhanden ist, können Sie U-Wert (Dämmwert), Temperaturverlauf und Tauwasserausfall auch online bei U-Wert.net berechnen.

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